6 Questions with Marianne Fatton

6 Questions with Marianne Fatton

Erschienen am: 08.07.2026

Marianne Fatton ist Olympiasiegerin 2026 im Skialpinismus und Mitglied der POW Athlete Alliance. In diesem Interview spricht sie über ihren Weg an die Spitze, darüber, was ihr ihre olympischen Medaillen wirklich bedeuten und weshalb ihr der Schutz der Berge besonders am Herzen liegt.

Marianne, wie würdest du dich selbst beschreiben: als Skialpinistin, Bergsteigerin, Allround-Athletin, Bergliebhaberin, Olympiasiegerin, oder noch ganz anders?

Ich bin eine Athletin mit einer grossen Leidenschaft für den Skialpinismus (meinen Sport), für die Berge und für den täglichen Anspruch, mich Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.

Skialpinismus war 2026 erstmals olympisch, und du hast dabei Gold und Silber gewonnen. Gab es während des Rennens einen Moment, in dem dir klar wurde, dass dies dein Tag sein könnte? Und wie fühlst du dich heute, einige Monate später?

Ich habe mich schon in den ersten Runden sehr gut gefühlt. Ich merkte, dass ich noch etwas Reserven hatte, und freute mich darauf zu sehen, was im Final möglich sein würde, wenn ich wirklich alles geben würde.

Ein paar Monate später empfinde ich vor allem grosse Dankbarkeit dafür, dass ich das erleben durfte. Unabhängig von den Medaillen war es eine unglaubliche Reise, und der Weg dorthin war genauso schön wie das Ziel. Diese Erfahrung hat mich wachsen lassen und die Verbindung zu den Menschen, die ich liebe und die mich unterstützen, noch stärker gemacht.

Skialpinismus verlangt enorme Ausdauer, taktisches Geschick und viel Mut. Wie hast du dich auf die Olympischen Spiele vorbereitet?

In den vergangenen vier Jahren habe ich versucht, aus jedem Wettkampf etwas mitzunehmen. Gleichzeitig habe ich mein Trainingspensum Jahr für Jahr erhöht und an jedem noch so kleinen Detail gearbeitet. Ich gehöre nicht zu den grössten Naturtalenten. Deshalb habe ich so hart wie möglich gearbeitet, um optimal vorbereitet an den Start zu gehen.

Die Schweiz gilt als Sinnbild der Alpen. Was bedeutet es für dich, dieses Land in einer Sportart zu vertreten, die so eng mit den Bergen verbunden ist?

Die Schweiz hat eine einzigartige Bergwelt und wunderschöne Landschaften. Das ist ein grosser Schatz, den wir unbedingt schützen müssen. Wir können uns glücklich schätzen, in einem so schönen Land zu leben.

Wintersportarten sind zunehmend von veränderten Schneeverhältnissen betroffen. Wie hast du die Auswirkungen des Klimawandels persönlich im Training und im Wettkampf erlebt?

Ich komme ursprünglich aus Neuenburg, musste aber wegziehen, weil es dort immer schwieriger geworden ist, Skialpinismus zu betreiben. Gleichzeitig werden die Berge auch gefährlicher. Das haben wir diesen Winter gesehen: Eine dünne Schneedecke zu Saisonbeginn, gefolgt von starken Schneefällen auf einer bereits instabilen Unterlage, führte zu zahlreichen Lawinen.

Steigende Temperaturen stellen traditionelle Wintersportarten vor grosse Herausforderungen. Welche Veränderungen sind aus deiner Sicht notwendig, damit Disziplinen wie der Skialpinismus auch für kommende Generationen erhalten bleiben?

Meiner Meinung nach sollten wir zuerst bei den grössten Verursachern ansetzen, etwa bei der Fast-Fashion-Industrie oder im fossilen Energiesektor, und dort strengere gesetzliche Vorgaben schaffen. Gleichzeitig sollten Regierungen Unternehmen und Projekte fördern, die nachhaltigere Alternativen entwickeln.

Dieser Wandel muss vor allem politisch vorangetrieben werden, damit nachhaltige Lösungen für alle zugänglich sind und Menschen mit kleineren finanziellen Möglichkeiten nicht zusätzlich belasten. Gleichzeitig können auch Konsument:innen ihren Beitrag leisten, indem sie den Konsum besonders umweltschädlicher Produkte – etwa Fast Fashion – reduzieren. Dafür braucht es aber auch mehr Information und ein stärkeres Bewusstsein in der Bevölkerung.